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Angedacht

Liebe Gemeindeglieder in St. Markus und Trinitatis,

Weihnachten ist ein wunderbares Fest, mit vielen schönen Ritualen. Ein Ritual jedoch bereitet Jahr für Jahr manchen Kopfschmerzen, und es gipfelt in einer Frage. Wer nimmt Oma?
Bei dieser Frage geht es um das geheimnisvolle Flüstern, das in den Wochen vor der Heiligen Nacht in einigen Familien umgeht. Jenes geheimnisvolle Flüstern, das, je näher das Fest kommt, oft eben auch immer gereizter und lauter wird: „Wir hatten sie letztes Weihnachten schon. Und das Jahr davor auch. Wir wollen auch mal für uns sein!“ „Jetzt sind auch mal die Anderen dran!“ So gehen spätestens seit dem 1. Advent manche Telefonate oder WhatsApps hin und her. Irgendwo ist Oma in den meisten Fällen dann doch willkommen. Jetzt aber stellen Sie sich vor: Die Kinder haben sich geeinigt, wer Oma nimmt – und dann kommt eine Weihnachtskarte der Oma an ihre Kinder:
Bildnachweis: Dr. Christoph HerbstLiebe Kinder und Enkelkinder! all die Jahre habe ich bei euch abwechselnd wunderschöne Weihnachtstage verbracht. In diesem Jahr ist mir klar geworden, dass es so viele Menschen gibt, die das Weihnachtsfest alleine verbringen müssen. Deshalb habe ich mich entschlossen, einige dieser alleinstehenden Menschen zu mir nach Hause einzuladen, um mit ihnen gemeinsam Weihnachten zu feiern.
Ich habe die Einladungskarten schon abgeschickt. Ich denke, ihr versteht das, und seid nicht allzu traurig, dass ich dieses Jahr nicht kommen werde. Ich wünsch euch ein gesegnetes, friedvolles Weihnachtfest, Eure Mutter und Oma“
Na, da haben die lieben Kinder gestaunt. Diese Oma ist genauso genial wie nahe dran am Sinn der Weihnachtsgeschichte, obwohl sie sie mit keinem Wort erwähnt. Weihnachten zeigt, dass Gott vor allem ein Herz hat für die Einsamen, für die, die dieses wunderbare Fest der Gemeinschaft, aus welchen Gründen auch immer, alleine feiern müssen. Denn Gott, wenn wir ihn recht verstehen, und vor dem Hintergrund der Weihnachtsgeschichte gibt es daran eigentlich keinen Zweifel, Gott tut es weh, wenn der Mensch – nicht nur, aber vor allem – zu Weihnachten alleine ist. Deshalb ist es ein wunderbares Ritual, dass an diesem Abend viele, die sonst alleine sind, wieder einmal Gemeinschaft spüren können. Dass Familien zusammen kommen, und das auch genießen dürfen, wenn sie die Stunden nicht mit zu vielen Erwartungen zukleistern, sondern einfach der Freude Raum geben, Familie sein zu dürfen. Und wenn man Familie weiter fasst, dass Sie und ich Kinder Gottes sind, und es einige von uns zukünftig so machen wie die resolute Mutter und Oma – das wäre doch was: ein Weihnachten mit weniger einsamen Menschen. Könnte das eine Option sein? In den nächsten Jahren am Heiligabend immer einen einsamen Menschen, den wir zwar kennen, der aber nicht unbedingt zum engsten Freundeskreis gehört, einzuladen, und ihm so eine Freude zu machen. Ich denke, Gott freut sich auch, wenn er dessen gewahr wird.
Einsamkeit, das musste Jesus Christus selber intensiv durchmachen, deshalb sollte gerade zu Weihnachten Einsamkeit nach Gottes Willen nicht sein. Und genau das ist mein Wunsch für sie: Dass immer weniger heute und in den nächsten Jahren alleine Weihnachten feiern müssen. Wir könnten schon einiges dafür tun, vielleicht mit Omas neuem Ritual… Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest in der Gemeinschaft derer, die Sie lieben oder die Ihnen ganz neu wichtig werden.
Ich grüße Sie ganz herzlich
Ihre Pfarrerin C. Scharschmidt

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