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Angedacht

Ein Klang des Glaubens

Fest gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden, frisch, Gesellen, seid zur Hand. So beginnt Schillers Meisterwerk „Das Lied von der Glocke“. Es beschreibt den Prozess des Glockengusses und parallel unser Leben mit seinen verschiedenen Phasen. Ich mag den Klang der Glocken. Ich genieße es ihn zu hören. Die Glocken strukturieren meinen Tag. Obwohl Glocken nirgends in der Bibel erwähnt sind, verbinde ich sie ganz unmittelbar mit Glauben.
Die letzten Tage habe ich mal sehr darauf geachtet, wann und vor allem wie ich die Glocken der Kirche höre. Ich halte inne, wenn ich morgens, mittags und abends das so genannte Gebetsläuten höre. Jedes Mal klingen sie für mich anders. Sei es, dass ein neuer Tag beginnt mit vielen Aufgaben, mittags mich zu einer Pause mahnen oder abends sagen, der Tag neigt sich dem Ende entgegen. Ernst rufend klingt mir das Läuten sonntags vor dem Gottesdienst.THUT BUSSE UND GLAUBET AN DAS EVANGELIUM: MC 1,15 – Foto: Claudia Scharschmidt
Glockenläuten ist mit Emotionen verbunden. Sie läuten zu allen wichtigen Lebensereignissen. Zur Taufe, zur Konfirmation, zur Hochzeit und zur Beerdigung. Unsere großen Feste werden von Glockenklang begleitet: So klingen die Glocken, während wir zu Weihnachten die Kirche betreten. Das neue Jahr beginnt mit euphorischem Läuten. Mit dem Ostergeläut wird das frühe Aufstehen zur Osternacht belohnt. Haben die Glocken ab Karfreitag geschwiegen, so ist hier das Ende der Trauer zu vernehmen, denn „Christ ist erstanden“. Glockenschlag oder großes Geläut: Wie auch immer wir das Läuten der Glocken empfinden mögen, sie sprechen eine Sprache, die unser Leben begleiten und unvergesslich ist.
Letzte Woche war ich aufmerksam unterwegs, aber für gewöhnlich erlebe ich es eher überraschend: ein Glockenschlag, der mir mitten im Alltagsgetümmel auffällt, oder ein plötzlich beginnendes Läuten, das mich innehalten lässt. Der Alltag bleibt eine kurze Sekunde stehen.
Bei allem Gewusel um mich herum, klingt das plötzlich alles sehr versöhnlich und wohltuend. Innehalten. Machen wir eher selten im Alltag, oder? Da heißt es, wachsam zu sein gegen Selbstverständlichkeit und gegen Gleichgültigkeit. Vielleicht ein kleiner Aufruf: Seid dankbar für euer Leben. Geht wachsam durch das Leben. Geht achtsam mit euren Mitmenschen um.
Ich grüße Sie ganz herzlich,
Ihre Pfarrerin
Claudia Scharschmidt

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