Die aktuelle Andacht online

Angedacht

Liebe Gemeindeglieder in St. Markus und Trinitatis,

„Man lernt nicht für die nächste Klausur, sondern für das Leben“, so sagte uns als Studenten immer unser alter Griechischlehrer. In der Bibel heißt es: Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen! (Jesaja 1,17) Gutes zu tun, muss gelernt werden, so Gott zu seinem Volk. Ein ernstes Gespräch führt er mit Israel. Hierbei geht es nicht um Hausaufgaben oder Klassenarbeiten, sondern darum, dass das Volk Gottes Gebote nur noch vordergründig befolgt. Wer Gott aus dem Leben verliert, befolgt auch seine Gebote nicht mehr. Gewiss: Mit den Lippen befolgen sie noch die aufgetragenen Rituale und die Liturgie, aber das ist alles im Grunde nur noch Tradition. Mit dem Herzen sind sie nicht mehr dabei. Gott selbst beschreibt, wie er sein Volk wahrnimmt: als sündig, als krank von der Fußsohle bis zum Kopf, Zustände wie in Sodom und Gomorrha. Eine harte Gesellschaftsanalyse. Was würde Gott wohl heute zu uns sagen? Würde er mit Kirche und Land ebenso hart ins Gericht gehen?

Aktuelle AndachtAm 20. November feiern wir in diesem Jahr in Deutschland den Buß- und Bettag. Als arbeitsfreier Feiertag gibt es ihn nur noch bei uns in Sachsen. Neben der persönlichen Sünde wird auch der Schuld unseres Volkes vor Gott gebracht. Sinn des Buß- und Bettages ist, dass sich eigentlich das ganze Volk durch Buße im Gebet wieder zu Gott wendet. Wo der Glaube an den Dreieinigen Gott auszieht, zieht eine Ideologie ein, einerlei wie sie im Einzelnen heißen mag. Zu spüren bekommen es zuerst die Schwachen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die, die keine Lobby haben. Das Recht wird solange gebeugt, bis es den Mächtigen in ihr gesellschaftlich- politisches Konzept passt. Was nicht passt, wird passend gemacht.


Sorgt für das Recht! Mahnt Gott sein Volk damals und uns heute. Recht muss recht bleiben! Wer es sich passend macht, auch mit einem Schein des Rechts, tritt es letztlich mit Füßen.
Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, ist die Mauer gefallen. Es war der Anfang vom Ende eines Unrechtsstaates mit Namen DDR. Das Recht hat die Aufgabe, die Schwachen zu schützen. Damals in Israel waren es vor allem die Waisen und Witwen, die nach dem Tod des Mannes bzw. des Vaters ihren Versorger verloren haben. Es ist schwer gewesen, die Familie über die Runden zu bringen. Ihnen, so Gott an sein Volk, soll zum Recht verholfen werden. Ebenso hat das Volk die Unterdrückten im Blick zu haben. Genau ist diese Gruppe nicht definiert. Auch in unserem Land gibt es Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die Schwachen und Ausgegrenzten.
In aller Munde sind die Flüchtlinge, die vor Krieg und Bürgerkrieg fliehen und in Deutschland Schutz suchen. Die Politik ist gefordert,


Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Flüchtlinge, Benachteiligte und Ausgegrenzte ihren Platz in unserer Gesellschaft finden. Aus dem Glauben an Gott heraus gilt es, die Stimme für sie zu erheben.
In einem anderen Zusammenhang hat Pfarrer Friedrich Wilhelm Hopf (1910–1982), Missionsdirektor, zum Thema Menschenrechte im Jahr 1982 geschrieben: „Sobald wir im Zusammenhang mit dem Thema ‚Menschenrechte’ von einem erheblichen Nachholbedarf besonders für uns Lutheraner sprechen, wird die Erinnerung an unser vielfaches Schweigen und Versagen wach, besonders in der Zeit nach 1933. Hinzu kommen heute immer stärkere Herausforderungen durch akute Verletzungen der Menschenrechte in allen Kontinenten… Jedoch sollte dabei niemals vergessen oder verschwiegen werden, dass für uns Gottes Wort die entscheidende Norm bleibt… Wir (sollten) uns dabei von niemand übertreffen lassen…, weil wir in unserer Bibel jenen Spruch gelesen haben, der einst einem König galt, aber unser Gewissen ebenso trifft: Tu deinen Mund auf, richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen (Spr 31,8f). Noch ungleich gewaltiger… binden uns Jesu Worte in der Weissagung vom Weltgericht, dass ER selbst uns in seinen ‚geringsten Brüdern’ begegnet… Es gehe darum, ob die zu ‚Wächtern’ Berufenen als ‚stumme Hunde’ schweigen zu offenkundiger Ungerechtigkeit und diabolisch geplantem Völkermord oder ob sie reden, ehe es wieder zu spät ist und die Steine schreien.“ Pfarrer Hopfs Anmerkungen sind brandaktuell. Gutes tun wird auch dort konkret, wo den Rechtlosen, Ausgegrenzten und Benachteiligten zu Recht verholfen wird. Gottes Wort selbst mahnt dazu. So gehört dieses Thema gewiss auf den Stundenplan in der Schule des Glaubens.

Es grüßt herzlich Ihr
Pfarrer Markus Beulich

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